Petruschki

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Petruschkis Fahrt ins Blaue - Kapitel 25 - Sofonisba Anguissola, die Renaissancemalerfürstin

Petruschkis Fahrt ins Blaue - Kapitel 25 - Sofonisba Anguissola, die Renaissancemalerfürstin

Das ist ein Selbstporträt der Sofonisba Anguissola aus dem Jahr 1555. Mit erst 23 Jahren malt sie sich selbstbewusst, ihren Beruf ausübend.

1532 wird sie in Cremona als älteste von 7 Geschwistern geboren. Wie ihre 5 Schwestern und ein Bruder bekommt sie eine umfangreiche Ausbildung in Musik, Latein, Literatur, Geschichte, Philosophie, Naturwissenschaften, Malerei und Zeichnen. Ihr Vater gibt ihr den Namen einer kathargischen Königin: Sofonisbe. Die war die Tochter des Feldherrn Hasdrubal. So hiess dann ihr kleiner Bruder: Asdrubal. Ein solcher Name bedeutete damals auch ein politisches Statement: das päpstliche Rom galt als Unterdrücker, im spanischen Karl V. sah man als Nachfahre der Katharger den Befreier Mailands. Schon mit 11 Jahren schickt sie ihr Vater zusammen mit ihrer Schwester Elena zur Ausbildung in die Malerwerkstatt des Bernadino Campi, dem zu damaligen Zeiten wichtigsten Maler in der Stadt. Die beiden Schwestern leben unter einem Dach mit seiner Familie, verfeinern ihre künstlerischen Fähigkeiten, lernen die Leinwände vorzubereiten, Farbpigmente herzustellen und zu mischen. Mit der Familie des Malers pflegen sie lebenslang ein inniges Verhältnis.

Weil Campi 1459 nach Mailand geht, wechseln die Schwestern in die Malerwerkstatt eines anderen bekannten Malers dieser Zeit: Bernadino Gatti. Ich hatte es schon im Kapitel über Plautilla Nelli geschrieben, Frauen durften keine Anatomiestudien machen und schon gar nicht Aktmodelle zeichnen oder malen. Sofonisba malt zur Übung der menschlichen Anatomie ihre Familie, vor allem ihre Geschwister. Sie kopiert nicht die Werke großer Meister, sondern malt nach der Natur. Und bestätigt das auch selbstbewusst mit ihrer Signatur. Ihre Schwester Elena tritt bald in ein Kloster ein. 1551 malt Sofonisba Anguissola von ihr dieses Bild im Ordensgewand.

Sofonisba Anguissola Elena 1551

Sofonisba Anguissola Elena 1551

Mich fasziniert wieder der Blick. Es ist die große Kunst dieser Malerin, durch die Art wie sie ihre Schwester Elena schauen lässt, oder besser gesagt, wie sie den Blick ihrer Schwester einfängt, eine ganze Geschichte zu erzählen. Ich sehe eine junge, kindliche, schüchterne Zurückhaltung. Ich sehe Frage und Zweifel, ebenso wie Erwartung. Und es hat etwas Vertrautes, der Blick eines junges Mädchens aus heutiger Zeit, das eine neue Ausbildung anfängt oder sich zu etwas Unbekanntem entschieden hat. Und dann ist sie da in dieses Ornat gesperrt. Sofonisba malt sie in einer weissen, katholischen Rüstung, die fast das ganze Bild ausfüllt vor einem schwarzen Hintergrund. Zwei weisse grosse steife Stofffalten laufen über die Brust des kleinen Mädchenkörpers. Eine Zwangjacke. Zarte Hände lugen aus den riesigen weiten Ärmeln und halten ein Buch. Und in all dem Weiss ist da dieses kleine junge Gesicht, mit großen Augen, die nach heute schauen und soviel über eine Befindlichkit erzählen.

Ihre Familie ist nicht gerade in der besten finanziellen Situation und es gibt nicht genug Mittel um Sofonisba die nötige Aussteuer für eine Heirat mitzugeben. Also macht sich ihr Vater nach ihrer Malerausbildung mit ihr auf den Weg, besucht die umliegenden Fürstenhäuser, damit sie Porträts anfertigen kann. Er verschenkt ihre Gemälde an einflussreiche Persönlichkeiten, um für sie zu werben. Die Selbstporträts sind dabei so etwas wie eine Visitenkarte oder ein Bewerbungsbild.

Sofonisba_Anguissola_002.jpg

“Sophonisba Anguissola virgo se ipsam fecit 1554”

“Jungfrau Sophonisba Anguissola machte dies selbst 1554”

Wie auf dem Selbstporträt des Titelbildes dieses Kapitels lächelt Sofinisba Anguissola nicht. Sie lächelt nie auf den Selbsporträts, von denen sie besonders viele in der Cremona Zeit geschaffen hat. Vielleicht weil es “Berufsbilder “ sind.

Auf dem folgenden Bild aus dem Jahr 1555 lacht jemand. Das sieht wie Schadenfreude aus. Die ältere Schwester hat die Jüngere beim Schachspiel besiegt. Und die Kleinste lacht sich eins. Es soll die erste Darstellung von Schadenfreude überhaupt sein. Weiß mans? Trotz der Körper, die durch die sichtbar steife prächtige Kleidung in einer rigiden Haltung verharren, hat das Bild eine große Lebendigkeit und Natürlichkeit, durch die bewegten Gesichter. In ihnen spiegelt sich Stolz, Empörung, Schadenfreude und Wachsamkeit.

Sofonisba Angussola Das Schachspiel

Sofonisba Angussola Das Schachspiel

SOPHONISBA ANGUSSOLA VIRGO AMILCARIS FILIA EX VERA EFIGIE TRES SUAS SORORES ET ANCILAM PINXIT MDLV.

Jungfrau Sofonisba Anguissola, Tochter des Amilcar hat ihre drei Schwestern nach der Natur gemalt, 1555

Im Vergleich zu den Darstellungen dieser Zeit ist das eine Situation voller Leben. Üblicherweise schauten porträtierte Personen steif und emotionslos. Und es ist eine Alltagsszene. Kein religiöses Sujet, keine Darstellung eines mythischen Ereignissen. Anguissola hatte die Gabe, die Empfindungen und Gefühle ihrer Modelle zu erspüren, von ihnen zu wissen und die Fähigkeit sie darzustellen.

Blickgeschichte wieder. Blicke, die sich nicht kreuzen. Die kleine Schwester Europa schaut auf die Schwester Minerva und lacht über die Niederlage. Minerva schaut ihre ältere Schwester an, die sie besiegt hat. Die Zofe schaut auf die kleine Europa, oder auf das Spiel. Vielleicht wie eine Wächterin, denn für diese jungen Mädchen war es eigentlich nicht schicklich, gegeneinander Schach zu spielen. 60 Jahre zuvor waren die Schachregeln geändert worden.
Die bis dahin nicht sehr bedeutende Figur des Ministers wurde zur mächtigen Dame oder Königin, der mit Abstand stärksten Figur auf dem Schachbrett. Verantwortlich dafür war wohl die zunehmende Macht der Frauen in der Politik, entscheidende Rollen spielten dabei die Heldentaten auf dem Schlachtfeld der Jeanne d’Arc, sowie die große Bedeutung der spanischen Königin Isabella von Kastilien. Vielleicht war auch das eine Inspiration für Sofonisba, dieses Sujet zu wählen. Elena, die Siegerin, schaut aus dem Bild heraus auf ihre Schwester, die Malerin. Das Porträt der Zofe ist ganz greifbar. Sie erscheint auch auf dem Selbstporträt mit Spinett von 1561.

Sofonisba Anguissola Selbstbildnis am Spinett mit Zofe 1561

Sofonisba Anguissola Selbstbildnis am Spinett mit Zofe 1561

Sofisbona hatte noch einen dritten Lehrer, den Miniaturenmaler Giulio Clovio. Sie malte ihn im Jahr 1556 /57. Und übte sich dabei gleich in der Miniaturmalerei. Clovio hält eine Miniatur in seiner Hand auf dem seine angebliche Lieblingsschülerin Levinia Terlinks dargestellt ist.

Sofonisba Anguissola Giulio Clovio 1556/57

Sofonisba Anguissola Giulio Clovio 1556/57

Auch Greco malte Clovio aus Dankbarkeit über die Vermittlung an den Farneser Hof 1571. Dieses Bild entstand also 15 Jahre später.

El Greco Giulio Clovio 1571

El Greco Giulio Clovio 1571

Und so begegnete uns Clovio schon einmal im Kapitel über die Greco Ausstellung. Greco malte ihn zusammen mit Tizian Raffael und Michelangelo in die rechte untere Ecke des Bildes “Die Tempelreinigung” aus dem Jahr 1575. Zu sehen im Kapitel 13 El Greco - Knisternde Farben und die Feier des Vertikalen des Blogs.

Sofonisba Anguissola Mädchen lehrt einer alten Frau das Lesen

Sofonisba Anguissola Mädchen lehrt einer alten Frau das Lesen

Im Bemühen Sofonisba als Malerin weiter bekannt zu machen, schickt der Vater die Zeichnung “Mädchen lehrt einer alten Frau das Lesen” an Michelangelo Buonarotti. Der Meister ist von der Zeichnung angetan und empfiehlt der jungen Malerin sich auch im Ausdruck von Schmerz und Misfallen zu üben. Daraufhin fertigt Sofonisba diese Zeichnung von ihrem kleinen Bruder Asdrubal an.

Sofonisba Anguissola Asdrubal wird von einem Krebs gebissen

Sofonisba Anguissola Asdrubal wird von einem Krebs gebissen

Diese Zeichnung behält Michelangelo und gibt sie später seinem Mitarbeiter Tomasso Cavalieri, der sie wiederum mit einer Zeichnung von Michelangelo selbst an den Großherzog Cosimo I. de’ Medici weitergab. Vielleicht hat Caravaggio diese Zeichnung im Madama-Palast in Rom gesehen, wo er beim Kardinal del Monte 5 Jahre lebte. Es gilt als ziemlich sicher, dass Caravaggio von dieser Zeichnung zu seinem vielschichtigen Bild “Junge, von einer Eidechse gebissen” inspiriert wurde.

Michelangelo Merisi Caravaggio Junge, der von einer Eidechse gebissen wird, 1594

Michelangelo Merisi Caravaggio Junge, der von einer Eidechse gebissen wird, 1594

Als Sofonisba 22 Jahre alt war, kam es zu einem Treffen mit Michelangelo. Er soll ihr einige wichtige Ratschläge gegeben haben.

Das folgende Bild malt sie 1559, 10 Jahre nachdem sie die Malerwerkstatt Campis verlassen hatte. Es war üblich, als Schüler eines Malers später eine Art Probe abzugeben, aber natürlich nicht nach so vielen Jahren. Dass dieses Gemälde als Werbung für ihre Arbeit gedient haben könnte, ist auch unwahrscheinlich, denn zu dieser Zeit hatte sie schon keine Werbung mehr nötig.

Warum also hat sie es gemalt? Was erzählt Sofonisba Anguissola damit? Sie soll das Bild - Ein Künstler malt einen Künstler, der einen Künstler malt - genannt haben. Vielleicht ist es ein Renaissancespiel, denn die gemalte Sofonisba hat zwei linke Arme. Mit der einen linken Hand hält sie ein paar Handschuhe, die andere ist hinter dem Arm des Malers verborgen und könnte selbst den Malstock halten. Überhaupt dieser Malstock. Der Malstock wurde benutzt, um die Hand zu stabilisieren. Sofonisba selbst hatte schon lange aufgehört, sich selbst mit Malstock darzustellen. In der Renaissance bedeutete der Malstock manchmal künstlerische Zurückhaltung oder übergroße Liebe zum Detail. Vielleicht hat sie Campi den Malstock in die Hand gegeben, um zu zeigen, dass er nicht besonders kreativ war. Vielleicht hat sie die Malstock haltenden Hand später übermalt, weil es ihr doch zu gewagt erschien. Spekulationen.

Blicke. Als ich das Bild zuerst sah, dachte ich, dass ich ihre “eigenen” Selbstbildnisse trotz des immer gleichen ernsten Blickes, viel lebendiger und greifbarer finde, als dieses ihr Selbstporträt, das in diesem Gemälde von Bernadino Campi geschaffen wird. Das Gesicht ist leerer und maskenhafter. Ein Mondgesicht. Was der Grund dafür sein mag? Möchte sie darauf anspielen, dass sie ihn in ihren Fähigkeiten überholt hat? Als man das Bild geröntgt hat, fand man ein anderes Gesicht hinter dem jetzigen. Es soll angeblich weicher und lebendiger sein. Es ist also als schaue Anguissola selbst als Malerin hinter ihrem Poträt aus dem Bild heraus. Ausserdem scheint das Portrait Campis weitaus lebendiger als dasjenige, das er von ihr malt. Und abgesehen davon ist sie selbst als Porträt in diesem Gemälde viel größer als der gemalte Maler, geradezu imposant. Das ist absolut unüblich gewesen. Die beiden schauen ein wenig nach oben. So als sei Sofonisba als Malerin in einer höheren Position. Und durch den Blick der beiden wird der Betrachter Komplize, wie Sofinisba mit den männlichen Regeln spielt und sie ironisch bricht.

Quellen: Here's Looking at Me: Sofonisba Anguissola and the Problem of the Woman Artist : Mary D. Garrard

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Sofonisba Anguissola Bernadino Campi malt Sofonisba Anguissola 1559

Sofonisba Anguissola Bernadino Campi malt Sofonisba Anguissola 1559

In dieser Zeit der Reisens und Bewerbens, trafen Sofonisba und ihr Vater auch auf den Herzog von Alba, den damaligen Gouverneur von Mailand, den Sofonisba ziemlich wahrscheinlich porträtiert hat. Er war Berater von Philipp II. von Spanien und der wichtigste Mann in seiner Politik. Eine Bedingung für Spaniens Frieden mit Frankreich war Philipps Ehe mit Isabel de Valois. Sie war eigentlich schon mit Philipps Sohn Carlos verlobt. Ja, dem Don Carlos, dem von Friedrich Schiller und der Oper von Verdi. Philipp löste diese Verlobung und schickte den Herzog von Alba zur Brautwerbung zur Königin von Frankreich, Katharina von Medici, und die willigte ein. Isabel von Valois wurde mit 14 Jahren mit Philipp verheiratet und wurde Königin von Spanien. Und hier kommt Sofonisba. Womöglich durch die Vermittlung des Herzogs von Alba wurde sie als Hofdame für die junge Königin an den spanischen Hof geholt. Es entwickelte sich eine innige Beziehung. Sie gab der begabten jungen Frau Zeichenunterricht. Der Papst orderte ein Gemälde mit dem Porträt der spanischen Königin bei Sofonisba. Als Isabel de Valois in Bayonne an Verhandlungen über die Haltung Frankreichs zur Reformation und den Hugenotten teilnahm, malte Sofisbona zu dieser Gelegenheit ein Porträt von ihr. Isabel / Elisabeth hält in ihrer Hand eine Miniatur des Königs, ihres Ehemannes. Sieht man das leichte Lächeln im Gesicht Isabels und die Haltung mit der sie die Miniatur hält (so ein bisschen, wie etwas nicht sehr Angenehmes, das man am liebsten von sich wehgält und das so da unten irgendwo an der Seite lässt, weil man es nicht sehr wertschätzt) denkt man an eine zweite Geschichte, die dieses Bild erzählt. Eine, die mit der offiziellen nichts zu tun hat. Obwohl Philipp II. seinen Briefen nach, die junge Königin wirklich liebte, schien sie nicht sehr viel von seinen Fähigkeiten zu halten.

Sofonisba Anguissola Isabel de Valois sosteniendo un retrato de Felipe II' 1561- 1565

Sofonisba Anguissola Isabel de Valois sosteniendo un retrato de Felipe II' 1561- 1565

Sofonisba Anguissola malte zahlreiche Poträits am spanischen Hof. Allerdings signierte sie ihre Bilder in dieser Zeit nicht, weil sie am Hof angestellt war und die Gemälde gehörten sozusagen zu ihrer offiziellen Arbeit. Im Gegenzug wurde sie reich beschenkt. Hier nur ein paar wenige Bilder aus dieser Zeit:

Von links nach rechts:

Juana de Austria, Schwester des Königs, mit kleinem Mädchen, 1561

Die Prinzessinnen Clara Eugenia und Catalina Micaela, 1570

Philipp II, 1573

Allessandro Farnese, 1560

Im Herbst 1568 stirbt die junge Königin mit 23 Jahren bei der Geburt ihres fünften Kindes. Sofonisba bleibt als einzige der Hofdamen noch 5 weitere Jahre am Hof. Sie kümmert sich um die Prinzessinnen Clara Eugenia und Catalina Micaela und unterrichtet sie. 1573 wird ein Ehemann für sie gesucht und der spanische König vermacht ihr eine hohe Rente.

1573 heiratet sie den sizilianischen Edelmann Fabrizio Moncada. Die beiden leben in Paternó auf Sizilien. Aber bereits 5 Jahre nach ihrer Heirat wird sie Witwe. Ihr Mann stirbt bei einer Seefahrt, die er zur Klärung von einer Erbschaftsgeschichte unternommen hatte. Das Schiff wird von Piraten gekapert. Die Umstände sind seltsam, vielleicht hat seine Familie ihn aus dem Weg geräumt, weil er Ansprüche geltend machen wollte. Er ist der einzige Adelige, der bei diesem Überfall ums Leben kommt.

Kurz bevor sie von Paternó wieder nach Cremona zurückgeht, schenkt sie dieses Bild “Madonna dell`Itria” dem Franziskanerkloster von Paternó mit der Auflage eine wöchentliche Messe für ihren Mann abzuhalten, ebenso ein Messe mit Gesang an seinem Geburts- und Todestag. Ausserdem bestimmt sie auch den Ort, wo das Bild aufgehängt werden soll. In einer Kapelle mit den Grabmalen der Verwandten ihres verstorbenen Mannes. Jedesmal also, wenn die Verwandten die Gräber ihre verstorbenen Vorfahren besuchten, sollten sie an den Tod von Sofonisbas Ehemann Fabrizio erinnert werden und durch den Hintergrund des Gemäldes auch daran, wie er zu Tode kam. Und falls sie wirklich etwas damit zu tun gehabt haben sollten, war das sicher höchst unangenehm.

Sofonisba Anguissola Madonna dell´Itria

Sofonisba Anguissola Madonna dell´Itria


Die Madonna Hodegetria (altgriechisch „Wegweiserin“) wird abgekürzt auch Madonna d'Itria gennant, bezeichnet einen bestimmten Typus von Mariendarstellungen, den es zuerst auf griechisch-byzantinischen Ikonen gab. Die Darstellung geht auf die Legende zurück, dass der Heilige Lukas die Jungfrau Maria mit dem Kind gemalt habe und dass dieses Abbild als Original existierte und sich immer weiter verbreitete. Im Kapitel Greco gibt es gleich zu Anfang eines der frühen Werke Grecos, auf dem diese Legende dargestellt wird.

Auf dem Gemälde von Sofonisba Anguissola sehen wir die Madonna mit dem Kind auf einem Sarg sitzen, der von zwei Franziskanermönchen getragen wird. Engel, Mönche, Kardinal sind in Bewegung, in Aufruhr, so als wäre das Schiff erst gerade zuvor untergegangen. Die Landschaft im Hintergrund ist womöglich bei Capri, wo das Schiff gekapert worden war.

Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes macht sie sich mit ihrem Bruder Asdrubal auf, um nach Cremona zurückzukehren. Asdrubal hatte ihr geholfen, ihr Geld von der Familie ihres Mannes zurückzubekommen.

Und nun kommt eine Geschichte, die mich schon immer in den Bann gezogen hat. Sie ist wild und romantisch und geht ausserdem gut aus.

Sofonisba Anguissola Porträt einer jungen Adeligen .jpg

Sofonisba Anguissola, Porträt einer jungen Adeligen, undatiert

Das könnte ein Selbstporträt sein. Man nimmt es jedenfalls an. Es soll allerdings zu einer Zeit entstanden sein, als die Malerin um einiges älter war als die porträtierte Person. Obwohl der Blick in dieser träumerischen Distanziertheit ja etwas ganz altersloses hat. Ich habe mich gefragt, was das für ein Tier ist, das sie da in der Hand hält. Muss zugeben, es hat gedauert, bis ich begriffen habe, dass das Tierchen trotz glänzender Augen tot ist und zu einer Art Überwurf verarbeitet wurde. Es schaut aus dem Bild heraus und ich bin sicher, es hat eine Bedeutung. Ich habe aber nicht die geringste Idee, was das sein könnte.

Ich komme zur schönen Geschichte zurück. Im November 1579 schiffen Sofonisba und ihr Bruder Asdrubal Richtung Cremona ein. Auf der Überfahrt verliebt sie sich in den Kapitän Horacio Lomellino, der 15 Jahre jünger ist als sie. 6 Wochen später heiraten sie gegen den Willen des spanischen Königs. Später gibt er doch seine Erlaubnis. Bis zu ihrem Tod bleiben sie zusammen. Zu ihrem 100.Geburtstag Sofonisbas lässt er eine rührende Gedenktafel anbringen , die voller Stolz von seiner Frau spricht.

Das Paar zieht nach Genua und bleibt dort 35 Jahre. In ihrem Haus treffen sich Künstler und Intelektuelle. Sofonisba malt und unterrichtet.

Sofonisba Anguissola Drei Kinder mit Hund 1580

Sofonisba Anguissola Drei Kinder mit Hund 1580

Drei Kinder mit Hund aus dem Jahr 1580. Ein Geschwisterbild - aber Anguissola malt die Schwestern abgewendet vom Bruder, die beiden Mädchen schauen in verschiedene Richtungen. Sie hat hier, ganz unüblich für ihre Zeit, die Beziehunglosigkeit der Geschwister dargestellt. Lange Zeit hat man das Bild Leonardo da Vinci zugeschrieben. In Leonaro da Vincis “Buch von der Malerei” schreibt er: “Das Allerwichtigste, das sich in der Theorie der Malerei finden mag, sind die für die Seelenzustände eines jeden Wesens, passenden Bewegungen, wie für Verlangen, Verschmähen, Zorn, Mitleid oder Ähnliches.” Sieht man wie Sofonisba die Körpersprache der drei Kinder dargestellt hat, wird aus dem Gemälder dreier Einzelportraits die Erzählung über ein Geschwistertrio, das sich nicht leiden kann.

Quelle: Hanna Gagel Sofonisba Anguissola - Eine rollenüberschreitende Malerin - Uni Heidelberg

Sofonisba Anguissola Infantin Isabella Clara Eugenia 1599

Sofonisba Anguissola Infantin Isabella Clara Eugenia 1599

Sofonisba malte die Infantin Isabell Clara Eugenia als sie in Genua auf der Durchreise war. Man sieht wieviel Zugeneigtheit sie zu der jungen Frau hat, nachdem sie sich fünf Jahre lang nach dem Tode der Mutter um sie und ihre Schwester gekümmert hatte. Das Gesicht ist so lieb und zart gemalt. Eine Blume, die kurz vor dem Erblühen ist.

Sofonisba Anguissola Isabell de Valois 1599

Sofonisba Anguissola Isabell de Valois 1599

Wahrscheinlich im Jahr 1599 schuf Sofonisba dieses Porträt von der mehr als 30 Jahren zuvor verstorbenen Königin. Vielleicht für ihre Tochter. Vielleicht für sich selbst. Ich wüsste gerne welche Geschichte dahinter steht.

Sofonisba Anguissola Hochzeitsbild der Margarete von Savoyen 1608

Sofonisba Anguissola Hochzeitsbild der Margarete von Savoyen 1608

Das ist das Hochzeitsbild der Margarete von Savoyen von Anguissola gemalt. man sieht auch an diesem Gemälde die starke Verbindung zwischen Sofonisba und dem spanischen Hof. Denn die sehr junge Braut, die wir hier sehen, ist die Enkelin von Philipp II. und Elisabeth de Valois, die Tochter der Infantin Katharina Micaela von Spanien. Sie heiratete den italienischen Herzog Francisco IV. Gonzaga. Monterverdi komponierte für diese Vermählung die Oper L Arianna.

Sofonisba Anguissola Selbstporträt 1610

Sofonisba Anguissola Selbstporträt 1610

1615 zieht Sofonisba mit ihrem Mann nach Palermo auf Sizilien. Sie ist bereits 83 Jahre alt und eine international anerkannte Malerin.

Hier besucht sie der 25-jährige van Dyck, (über den es später noch Kapitel geben wird) Er war auf den Spuren seines Meisters Rubens nach Italien gezogen. Auch Rubens bewunderte Anguissola und hatte unter anderem ein Bildnis der Isabell Valois von ihr kopiert.

Am 12. Juli 1624 besucht der 25-jährige flämische Maler Anthonys van Dyck Sofonisba Anguissola, ein Jahr vor ihrem Tod. Sie ist vom Rheuma und durch eine Augenkrankheit schwer eingeschränkt und kann nicht mehr malen. Schon seit drei Monaten ist van Dyck in Palermo, als sich endlich eine Gelegenheit zu diesem ersehnten Besuch ergibt.

Quelle: Bruno Probst, Sofonisba Anguissola - Die erste Malerin der Neuzeit Essay, 2011

Antonio van Dyck Italienisches Skizzenbuch

Antonio van Dyck Italienisches Skizzenbuch

Von diesem Besuch ist durch van Dycks Skizzenbuch einiges überliefert:

“Bildnis der Signora Sophonisba, Malerin, nach dem Leben gemacht in Palermo am 12. Juli des Jahres 1629, als sie 96 Jahre alt war, noch guten Gedächtnisses, frischen Geistes und zuvorkommend; und obgleich durch das Alter ihr Augenlicht schwach geworden war, machte es ihr großes Vergnügen, Bilder vor sich hinstellen zu lassen, und indem sie dann ihre Nase mit vieler Mühe bis dicht an das Bild heranbrachte, erreichte sie es wirklich, etwas davon zu erkennen, worüber sie sodann große Freude zeigte. Als ich ihr Bildnis machte, gab sie mir manchen Hinweis dafür, so den, das Licht nicht von zu hoch aus einfallen zu lassen, auf dass nicht die Schatten in den Altersrunzeln zu stark würden, und manch andere gute Reden, wie sie mir auch einen Teil aus ihrem Leben erzählte, woraus zu erkennen war, dass sie eine wunderbare Malerin von Natur war, und der größte Schmerz, den sie hatte, war, durch das Abnehmen des Augenlichtes jetzt nicht mehr malen zu können: ihre Hand war noch fest, ohne irgendwelches Zittern.“

Zitiert nach: Irene Kühnel-Kunze, Zur Bildniskunst der Sofonisba und Lucia Anguisciola, in: Pantheon 20 (1962)

Antonio van Dyck Sofonisba Anguissola 1624

Antonio van Dyck Sofonisba Anguissola 1624

Am 16. November 1625 stirbt Sofonisba Anguissola.

1632 lässt ihr Ehemann zu ihrem 100. Geburtstag eine Gedenktafel in der Kirche San Giorgio di Genoves in Palermo für sie anbringen: “Für meine Ehefrau Sofonisba, aus dem edlen Hause Anguissola, eine von den Frauen, die durch ihre Schönheit und ihre aussergewöhnlichen Gaben der Natur beeindrucken. Herausragend auch in der Darstellung des menschlichen Bildes und niemand ihrer Zeit kann sich darin mit ihr vergleichen. Horacio Lomellino, betroffen von einer tiefen Traurigkeit, widmet ihr dieses letzte Zeichen der Ehre, das viel zu klein ist für diese Frau, aber groß für den gewöhnlichen Sterblichen.”

Soweit nicht anders angegeben sind meine Quellen wikipedia und der hervorragende Blog Cuaderno de Sofonisba http://cuadernodesofonisba.blogspot.com

Bücher über Sofonisba Anguissola

  • Perlingieri, Ilya Sandra: Sofonisba Anguissola – The First Great Woman Artist of the Renaissance. New York 1992

  • Maike Vogt-Lüerssen: Frauen in der Renaissance – 30 Einzelschicksale

  • Nina Blazon Die Königsmalerin Ravensbuger Verlag

  • Beate Rygiert Die Fälscherin Ullstein Taschenbuchvlg.

  • Lorenzo de Medici Das Geheimnis der Malerin Editionnova Verlag

  • Sylvia Ferino-Pagden / Maria Kusche Sofonisba Anguissola: A Renaissance Woman

  • Katalog der Ausstellung im Prado A Tale of Two Women Painters: Sofonisba Anguissola and Lavinia Fontana

Hier geht es zu einem Kapitel über die berühmte Barockmalerin Artemisia Gentileschi - Die Körper der Kriegerinnen und hier zu einem Kapitel über Plautilla Nelli, der ersten bekannnnten, erst vor kurzem wiederentdeckten Renaissancemalerin Plautilla Nelli - Betet für die Malerin

Petruschkis Fahrt ins Blaue - Kapitel 26 - Die Dame im Pelz - Wer war sie und wer hat sie gemalt?

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Georgia O'Keeffe "...Ich kann nicht leben wie ich möchte …, da wäre ich blöd, wenn ich nicht wenigstens male, was ich möchte“ Ins Blaue Kapitel 23

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