Petruschki

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Petruschkis Fahrt ins Blaue - Kapitel 9 -Hilma Af Klint - Bilder aus der unsichtbaren Welt

Petruschkis Fahrt ins Blaue - Kapitel 9 -Hilma Af Klint - Bilder aus der unsichtbaren Welt

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Kommende Austellung: Hilma af Klint und Wassily Kandinsky Träume von der Zukunft

16.3. — 11.8.2024 in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf

Das Titelbild: -Der Schwan Nr.17- 1914-1915 155x152cm von Hilma af Klint

"Mir wurde gesagt, ich sei ein Pionier und habe mich einer unverständlichen Arbeitsweise verschrieben."

Hilma af Klint, 10. Februar 1908, Notizbuch HaK556 Quelle: Hilma af Klint Foundation

Derzeitige Ausstellung: Mujeres de la abstracción Guggenheim Bilbao

bis 27 Februar 2022 hier ist Hilma Af Klint mit 9 Werken vertreten

Hilma af Klint: The Secret Paintings

bis 27. März - bißchen weit, in der City Gallery Wellington in Neuseeland, aber immer interessant die Museumswebsites anzuschauen

Die Hellseherin Hilma af Klint

Sie gilt als die Pionierin der Abstraktion. Es hat viele Jahrzehnte gedauert, bis man ihr diesen Titel zugestanden hat. Lange Zeit war sie vollkommen vergessen. Etwas ganz Neues hat sie mit ihren Bildern geschaffen, etwas, dass die Welt noch nicht gesehen hatte. Es gab keine Traditionen, an denen sie sich hätte orientieren können, nichts auf das sie Bezug nehmen konnte. Für sie gab es Geister, die sie inspirierten.

Mehr als die sichtbare Welt, interessierte sie das Nicht-Sichtbare und sie wollte es darstellen… Schwingungn, Strahlen, Strömungen, Gefühle, Gedanken. Schon um 1906 hatte sie eine eigene abstrakte Bildsprache organischer und geometrischer Formen entwickelt. Also einige Jahre vor Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch, die immer noch als Pioniere der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts gelten. Es gab so etwas wie ein Wettrennen, wer das erste abstrakte Bild gemalt hatte. Kandinsky selbt erklärte eines seiner Bilder dazu und soll deswegen ein Bild vordatiert haben. Julia Voss erwähnt in ihrem Artikel “Die Thronstürmerin” in der FAZ diesen Lexikoneintrag, den Kandinsky 1919 über sich selbst geschrieben hatte: „Kandinsky Wassily - Maler, Grafiker, Schriftsteller -, der erste Maler, der die Malerei auf den Boden der rein-malerischen Ausdrucksmittel stellte und das Gegenständliche im Bilde strich. 1911 malte er sein erstes abstraktes Bild.“

1932 hatte af Klint mit 70 Jahren verfügt, dass ihre Werke bis 20 Jahre nach ihrem Tod nicht ausgestellt werden durften. Das zeugte von einer außerordentlichen Hellsichtigkeit: Werke von Künstler*innen, die zu ihren Lebzeiten nicht sonderlich anerkannt waren, gingen oft verloren oder wurden zerstört. Und die Nazis kamen 1933 in Deutschland an die Macht. 1937 gab es die Ausstellung Entartete Kunst, was die Vernichtung vieler Kunstwerke bedeutete, die nicht den Vortellungen der diktarorischen Mörder und Kriegstreiber entsprachen. Abstrakte Kunst, dazu noch von einer Frau, wäre ohne Zweifel ihrem Vernichtungswillen zum Opfer gefallen.

Hilma af Klint Nyckeln till hittills-varande arbete, Serie WU/Rosen, nr 5, Grupp 3, 1907

Hilma af Klint Nyckeln till hittills-varande arbete, Serie WU/Rosen, nr 5, Grupp 3, 1907

Meine “Entdeckung” der Hilma af Klint geschah auf einer anderen Reise. Auf einer Reise ins Blaue durch eine schlaflose Nacht, als ich im Bett lag und mich über die Kommentare von Instagramm zu Instagramm Profil bewegte. Das stieß ich auf eine Seite, die hieß Spiraltempel und ich fand es sehr interessant, ja aufregend, was Julia Voss dort an Fotos und Audios über Hilma af Klint veröffentlicht hatte.

Dr. Julia Voss hat ein Buch geschrieben über diese, in jeder Hinsicht außergewöhnliche Künstlerin Hilma af Klint. Es trägt den Titel “Die Menschheit in Erstaunen versetzen.” und ist im Februar 2020 im S. Fischer Verlag erschienen. 4 Jahre hat sie sich der Recherche gewidmet und dafür Schwedisch gelernt. Es ist ein großer Erfolg und stand einige Zeit auf der Sachbuch-Bestsellerliste des Spiegel.
Durch sie bin ich also zu Hilma af Klint gekommen.

Später erinnerte ich mich, dass ich etwas über Hilma af Klint in dem Film “Personal Shopper” von Oliver Assayas aus dem Jahr 2016 gesehen hatte. Kristen Stewart spielt Maureen, deren Zwillingsbruder kurz zuvor an einem Herzleiden gestorben ist. Auch sie ist daran erkrankt. Sie hatten sich gegenseitig versprochen, dass derjenige, der zuerst stirbt, dem anderen nach dem Tod ein Zeichen geben würde. Während Maureen bei einem möglichen Käuferpaar für das Haus ihres Bruder ist, entdeckt sie dort ein Bild der Künstlerin Hilma af Klint, deren Gemälde von Botschaften aus der Geisterwelt inspiriert wurden…. Hier der Trailer des Films, der übrigens gleich mit Hilma af Klint beginnt.

2020 ist auch ein Film über Hilma af Klint selbst herausgekommen. Eigentlich hätte seine Premiere in den Kinos im März 2020 sein sollen. Aber da kam der Virus. Programmkino.de sagt dazu: “Für Kunstfans ein absolutes Muss und für Cinephile ein visuelles Erlebnis von besonderer Qualität: die Dokumentation über Hilma af Klint “Jenseits des Sichtbaren” … In Spielszenen und Interviews, mit Fotos und immer wieder mit ihren Bildern, Zeichnungen und Gemälden lässt Halina Dyrschka das Leben der Schwedin Revue passieren. Dabei entwickelt sie aus der Biographie eine spannende Reise zu den Wurzeln künstlerischen Schaffens und in das Werk einer beispiellosen Künstlerin.”

Das Universum ist unendlich wie die Kunst

Der Artikel über Hilma af Klint folgt auf die Kapitel über Hans Hartung, dessen Werke ich auf unserer Reise sehen durfte. Auch er hat sich daran versucht, das Unsichtbare zu malen. Schwingungen und Vibrationen des Universums. Ein Gemälde aus dem Jahr als er starb, hieß “Energien, die das Universum beherrschen”. Es ist drei Meter hoch und 5 Meter breit und er malte das, als er schon sehr gebrechlich war. Auch Hilma af Klint malte gigantische abstrakte Bilder, ganze 72 Jahre früher. Ich will Hartungs innovative Malerei nicht schmälern, ich verehre diesen Künstler. Aber es ist so erstaunlich und außergewöhnlich, dass eine Frau in diesen Zeiten, Anfang des 20. Jahrhunderts, Bilder in diesen riesigen Formaten malte. Abstrakte Bilder, ohne dass bis dahin das Gegenstandslose in der Kunst bekannt war. Immer noch, nicht anders als im Barock oder in der Renaissance und wie in den folgenden Jahrhunderten, war auch Anfang des 20. Jahrhunderts den Frauen das Kopieren, die kleinen Formate, Miniaturen, Portrait- und dekorative Landschaftsmalerei vorbehalten.

Hier sehen wir eines ihrer großformatigen Bilder aus der Reihe, die “Die zehn Größten”. Anfangs dachte ich über einige Bilder, dass sie sehr feminin sind, sie haben eine Art Transparenz, etwas Blumiges, leichthin Wachsendes. Es dauerte nicht lang und ich spürte die Kraft und Eigenheit, das Unvergleichliche und die große Nachricht, die sie übermitteln. Es hat sich wohl einiges geändert, auch wenn die Kunstgeschichte weiterhin größtenteils Männersicht ist. Doch können wir uns kaum vorstellen, welch schwierige Akt der Befreiung es war, 100 Jahre zuvor, als eigenständige Künstlerin diesen Weg zu gehen. Ohne irgendetwas vorher, um sich auszurichten und daran weiter zu wachsen. Die erste zu sein und sich einer Mauer an Widerständen gegenüber zu sehen. Je mehr Werke ich von ihr sah, desto weniger gab es diese Frage, weiblich-männlich. Sondern ich spürte sehr bald, dass ich bis dahin selbst in einem seltsamen Kodex der Beurteilung gefangen war.

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Um eine Vorstellung von der Schönheit dieser großformatigen Bilder zu vermitteln, hier ein Foto der Ausstellung “Hilma af Klint - Paintings for the future” 2019 im Guggenheim Museum, New York.

Hilma af klint Paintings for the future Foto: cortesy of Salomon. R. Guggenheim Museum

Hilma af klint Paintings for the future Foto: cortesy of Salomon. R. Guggenheim Museum

Die Geister, die sie rief, die sie riefen

Während einer Séance, an der Hilma af Klint 1904 teilnahm, wurde ihr von höheren Wesen mitgeteilt, sie solle Bilder auf der Astralebene malen, Bilder, die die unsterblichen Aspekte des Menschen darstellen.

Einige Jahre später wurden die Forderungen der Höheren Wesen deutlicher und sie begann mit den “Gemälden zum Tempel”. Sie arbeitete in zwei Phasen daran, von 1906 bis 1908 und von 1912 bis 1915. Die Bilder sind in verzweigten und vielfältigen Serien gemalt. Die zehn 1907 gefertigten Tafeln mit dem Titel “Die zehn Grössten” nehmen dabei eine besondere Stellung ein. Es sind riesige Formate, über drei Meter hoch und circa 240 cm breit, in Tempera auf Papier, das dann auf Leinwand aufgezogen wurde. Es sind Kompositionen von geometrischen und floralen Formen, von Buchstaben, Ranken und Spiralen in leuchtenden Farben. Alles ist voller Symbolik. So liegt im Blau das Weibliche und im Gelb das Männliche. Quelle

Hilma-af-Klint.jpg

Unbeirrbar

Hilma af Klint in ihrem Atelier ca. 1895

Hilma af Klint wurde am 26. Oktober 1862 als Tochter des Marineoffiziers Victor af Klint und Mathilda Sonntag in Stockholm geboren. Die Familie war adelig und wohlhabend. Sie war das vierte von fünf Kindern. Schon als Kind soll sie Visionen gehabt haben, vielleicht weil die Familie außerordentlich religiös und das erstgeborene Kind schon vor Hilmas Geburt gestorben war.

Mit 17 Jahren nahm sie an Séancen teil. 1880 starb ihre Schwester Hermine und ihr Interesse für Spiritualismus und Relgion wurde noch größer.

In Schweden konnten schon zu dieser Zeit Frauen studieren. Im Rest Europas war das noch gar nicht möglich. Sie besuchte als eine der ersten weiblichen Studenten die Königliche Akademie der freien Künste in Stockholm, um dort von von 1882 bis 1887 Zeichnen, Porträt und Landschaftsmalerei zu studieren. Sie schloß ihr Studium mit Auszeichnung ab. Später sagte sie, sie habe versucht, das Erlernte wieder zu vergessen, um die Bilder zu malen, die die Geister oder höreren Wesen in Auftrag gegeben hatten.

Hilma af Klint um 1901 und ein Selbstporträt, das undatiert ist

-Nach ihrem Abschluss erhielt sie ein Atelier im „Ateliergebäude“ der Akademie im Zentrum von Stockholm, das zu dieser Zeit das wichtigste kulturelle Zentrum der schwedischen Hauptstadt war. Das Gebäude beherbergte auch Blanch's Café und Blanch's Art Gallery, wo traditionelle akademische Kunst mit den Ideen der Künstlervereinigung kollidierte, die von den französischen Freilichtmalern inspiriert wurden.- The Hilma af Klint Foundation.

Sie wurde oft als zurückgezogene Künstlerin beschrieben, die kaum soziale Kontakte hatte, wie eine vestalische Priesterin. (Das Wort Vestalin tauchte allerdings auch in ihren Werken auf.) Aber wenn man bedenkt, dass sie 11 Jahre in diesen Ateliers lebte und arbeitete, ist das schwer vorstellbar. Auf der Kunstakademie hatte sie Anna Cassel kennengelernt. Sie blieben ein Leben lang eng vertraute Freundinnen. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie mt dem Malen von Lanschaftsbildern und Potraits. 1900 / 01 arbeiteten beide als Zeichnerinnen beim schwedischen Veterinär Institut.

Hila af Klint Matrose

Hila af Klint Matrose

Was für ein ausdrucksstarkes junges Gesicht hat sie da auf die Leinwand gebannt. Traurigkeit und Zweifel sehe ich, mit der Anstrengung, es nicht zu zeigen. Eine ganze Geschichte in einem Blick.

Hilma af Klint Spätsommerlandschaft 1903

Hilma af Klint Spätsommerlandschaft 1903

Komplizenschaft

Mit Anna Cassel und drei anderen Frauen, Sigrid Hedman, Mathilde Nilsson und Cornelia Cederberg gründete sie De Fem ( Die Fünf). Eine Gruppe von Künstlerinnen, die sich für Spiritualismus interessierte und regelmäßig am Freitag Séancen veranstaltete. Sie glaubten, dass sie Nachrichten von Geistern bekämen und zeichneten diese Übertragungen in einem gemeinsamen Buch auf. Ananda, Gregor, Clemens, Amaliel und Esther hießen diese Höheren Wesen. Die Frauen schrieben und zeichneten “automatisch”, also ohne dass Wille und rationale Kontrolle eingreifen sollten. Später wurde diese Methode im Surrealismus angewandt. André Breton hat die Écriture automatique als Vorgang beschrieben, bei dem das Schreiben dem Denken unzensiert folgt, ihm sozusagen hinterherläuft.

Hilma afKlint Urkaos 1906-1907

Hilma afKlint Urkaos 1906-1907

Die erste Bilderserie, die die Höheren Wesen bestellt hatten, heißt Urkaos (Primordial Chaos) und illustriert die Erschaffung der Welt. Es sind 26 kleine Bilder mit Motiven, die Grundelemente zeigen, die sie später in ihren größten Gemälden weiterentwickelte. Schneckenhäuser, Spiralen, U und W sind zentrale und wiederholte Symbole. Die in den Motiven enthaltenen Texte sind: Avonwener, Vestalinnen und Asketen im Dienst des Herrn, Evolution, Ararat, Eros.

„Was ich brauchte, war Mut. Und ich fand ihn durch den Einfluss der spirituellen Welt, die mir seltene und wunderbare Anweisungen bescherte.“

Hilma af Klint

Hilma af Klint and the Girl on the Stairs by Peter Ras is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

Hilma af Klint and the Girl on the Stairs by Peter Ras is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

Die Serie Der Schwan

Dieses schöne Foto habe ich auf der Reise zu Hilma af Klint gefunden. Es wurde von Peter Kirkeskov Rasmussen im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark fotografiert.

Die Gemälde sind, wie auch das Titelbild des Blog-Posts, aus der Serie “Der Schwan”, die 1914 bis 1915 entstand. Also zu Beginn des 1. Weltkrieges.

Hilma af Klint hat in Serien gearbeitet. In jeder Serie berabeitet sie eine Thematik, die sie interessierte. Es sind figürliche wie auch abstrakte Gemälde. In Der Schwan bearbeitet sie die künftige Sublimierung der Materie durch den Geist. Quelle. Ich sehe in den Bilder dieser Reihe den Kampf zwischen zwei Polen. Sogar unmögliche Liebe.

Hilma af Klint Gemälde aus der Serie Der Schwan  Foto: Museo Picasso Malaga

Hilma af Klint Gemälde aus der Serie Der Schwan Foto: Museo Picasso Malaga

Hier hängen drei Bilder aus der Serie “Der Schwan” in der Austellung -Hilma af Klint - Pionierin der Abstraktion- im Picasso Museum in Malaga 2013. Die Ausstellung kam aus Stockholm, ging weiter dann in den Hamburger Bahnhof, Museum der Gegenwart, Berlin und kam schliesslich nach Malaga.

1970 wurde ihre gesamte Sammlung dem Moderna Museet als Geschenk angeboten. Das Museum lehnte ab!

Erst 1986 konnte man erstmals Bilder von ihr öffentlich sehen, in der Ausstellung The Spiritual in Art, Abstract Painting 1890–1985 in Los Angeles. “Das Geistige in der Kunst”. Ihre Werke wurden damals allerdings nicht sehr beachtet. Es gibt ein sehr schönes kurzes Video des Museums der Gegenwart, Hamburger Bahnhof über die Ausstellung Hilma af Klint - Pionierin der Gegenwart. Hier kann man wunderbar sehen, wie die Werke Hilma af Klints in den Räumen wirken.

Hilma af Klint The Swan Nr.1 Group IX, 1915

Hilma af Klint The Swan Nr.1 Group IX, 1915

Auch dieses Bild gehört zu der Serie The Swan / Der Schwan.

Zwischen 1906 und 1915 malte Hilma af Klint ihre zentralen Werke, 193 Gemälde, davon 111 zwischen November 1906 und April 1908 in 16 Monaten. Das heisst, eine große Arbeit in vier Tagen.

“Die Motive wurden ohne Skizzen und mit großer Kraft durch mich gemalt. Ich wusste nicht, was die Bilder sein sollten, aber ich arbeitete schnell und sicher, ohne einen einzigen Pinselstrich zu ändern.”

Hilma af Klint

Sie hat 26000 Seiten Text und 1300 Gemälde hinterlassen.

Hilma Af Klint Altarbild Nr.1, Gruppe X, Moderna Museet

Hilma Af Klint Altarbild Nr.1, Gruppe X, Moderna Museet

Okkultismus Spiritismus Theosophie Antroposophie

Geister und Geistigkeit… Als Hilma af Klint in jungen Jahren mit den Seancen anfing, war der Okkultismus in Europa in Mode. Das ist nicht verwunderlich, denn in diesen Jahrzehnten des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts gab es sehr viele Entdeckungen und Entwicklungen der “unsichtbaren” Welt. Vom Morsen über Radiowellen, die Fotographie, Röntgenstrahlen, die ersten Filme. Hilma af Klint war auch eine gebildete Naturwissenschaftlerin. Kunst zu schaffen, bedeutete diese naturwissenschaftlichen Errungenschaften auf eigene Art zu betrachten.

Aus der Beschäftigung mit dem Spiritismus entwickelte Helena Petrovna Blavatsky (lest den Wikipedia Eintrag über sie, es verschlägt einem die Sprache, was für ein Leben diese Frau geführt hat) eine synkretistische esoterische Lehre, die moderne Theosophie, die eine Einweihung in okkulte Geheimnisse verspricht und Elemente der Gnosis, der Hermetik und anderer Traditionen der westlichen Esoterik mit östlichen Religionen verbindet. Das Wort wurde wahrscheinlich aus Theologie und Philosophie zusammengesetzt. Obwohl die Theosophie grundsätzlich die Gleichheit allen Seins deklariert, gab es immer wieder Rassismusvorwürfe. Auch die Nazis versuchten sich davon einiges zu nutze zu machen. Siehe die Swastika, das Hakenkreuz.

Hilma af Klint trat 1888 der Theosophischen Gesellschaft bei. Ihr Generalsekretär wurde 1902 Rudolf Steiner. 1908 suchte Steiner Hilma af Klint in ihrem Atelier auf. Angeblich soll er ihr gesagt haben, dass ihre Bilder in den nächsten 50 Jahren niemand verstehen würde. Auch gegenüber den Höheren Wesen äusserte er sich merkwürdig: So soll er ihr geschrieben haben, sie könne ihn erst wieder um Rat fragen, wenn ihr Guru es ihr auch erlaubte. Find Jacobson schreibt in seinem sehr ineressanten Blog über sie “1914 träumte Hilma af Klint, dass sie in Rudolf Steiners Zimmer war. Sie suchte nach etwas, musste aber aus dem Raum fliehen, weil sie blind wurde, als sie dort war. Dies zeigt deutlich die verheerende Wirkung, die Steiner auf ihr Selbstwertgefühl hatte.” Quelle

Sie reiste viele Jahre immer wieder nach Dornach, wo Steiner das Goetheaneum gegründet hatte. Sie wünschte sich, dass ihre Werke dort ausgestellt würden. Sie machte auch Entwürfe für das Deckengemälde des 2. Goetheaneums, nachdem das erste abgebrannt war. Im Jahr von Steiners Tod beschlossen sie und ihre Lebensgefährtin Thomasine Andersson nicht mehr dorthin zurüchzukehren, weil es so viele Streitereien über die Nachfolge Steiners gab.

Hilma af Klint, Buddhas Standpunkt auf der Erde, Serie II, Nr.3a, 1920

Hilma af Klint, Buddhas Standpunkt auf der Erde, Serie II, Nr.3a, 1920


Die Liebe, das Reisen und das Museum im Koffer

Hilma af Klint galt lange Zeit als Künstlerin, die zurückgezogen lebte, ihr Leben lang allein blieb, wenig reiste und nicht wollte, dass ihre Bilder ausgestellt wurden. Die sozusagen selbst Schuld war, dass niemand sie kannte. Tatsächlich lebte sie Jahrzehnte mit Thomasine Andersson zusammen. Sie hatten sich 1913 kennengelernt. Thomasine Andersson hatte Hilmas kranke Mutter gepflegt. Als die Mutter starb, zogen sie zusammen und reisten oft. Sie blieben unzertrennlich bis Thomasine Andersson 1940 starb.

1903 reiste Hilma af Klint mit Anna Casals nach Italien, um sich dort die Werke der Renaissance anzuschauen. Sie besuchte Belgien, Holland und Deutschland. Sie fuhr 1928 nach London. Acht Mal reiste sie mit Thomasine Andersson in die Schweiz nach Dornach. Quelle: Julia Voss Die Menschheit in Erstaunen versetzen.

Später hatte sie ihre Werke, auch die großformatigen, abfotografiert und nachkoloriert, so dass alle Gemälde in einem kleinen transportablen Format verfügbar waren. Und sie reiste mit Thomasine Andersson, um die Bilder vorzuzeigen. Sie reisten mit einem Museum im Koffer.

Hilma af Klint Pleiaden Nr.14  1908

Hilma af Klint Pleiaden Nr.14 1908

Der Spiraltempel

Von den Höheren Wesen hatte sie auch den Spiraltempel empfangen. Ein schneckenartiges Gebäude, das sie entworfen hatte, in dem ihre Werke ausgestellt werden sollten. Auf der Insel Vals sollte es das Ktaftzentrum einer neune Bewegung werden. Aber dazu kam es nicht mehr.

Es ist eine unglaubliches, wunderbares Ereignis, dass die große Ausstellung ihrer Werke 2018/19 im Guggenhein Museum in New York stattfand, in diesem Gebäude, das wie ein gigantisches schützendes Schneckenhaus für die Kunst aussieht. Hilla von Rebay, eine Künstlerin, die sich in den europäischen Zirkeln der Moderne bewegte, hatte Salomon R.Guggenheim bei der Schaffung seiner Kunstsammlung beraten. Sie hatte sich auch für Theosophie und Spiritualität interressiert und besuchte in Berlin um 1904 Kurse bei Rudolf Steiner zu dem Thema. Sie war mit dem von ihr ausgewählten Architekten Frank Lloyd Wright für die Planung des heutigen Guggenheim Museums verantwortlich und hatte wohl großen Einfluss auf die Gestaltung. Es scheint, dass sie die berühmte Schneckenform initiiert hat. In wie weit sie etwas von Hilma af Klints Entwürfen wusste, ist nicht bekannt. Mir scheint es aber sehr naheliegend, dass diese beiden Frauen eine Verbindung hatten. Es ist verrückt, dass das Werk von Hilla von Rebay vollkommen vergessen ist. So sieht es jedenfalls für mich aus. Ich bin allerdings keine Kunsthistorikerin. Ich hatte noch nie von ihr gehört. Ihre Werke, die ich mir auf Wikipedia anschaute, finde ich sehr interessant. 2005 gab es eine Gedächtnisausstellung ihrer Werke im Guggenheim. Und ausser einiger weniger Publikationen über sie, habe ich nichts gefunden.

Nun aber zu diesem unglaublichen Wunder. Die Ausstellung von Hilma af Klints Werk im Guggenheim Museum, New York, Paintings for the Future von Oktober 2018 bis April 2019 von Tracey Bashkoff kuratiert. Sie wurde zur Ausstellung mit den meisten Besuchern, die dieses Museum jemals hatte. Schlangen von Menschen standen vor dem Museum, um sich Hilma af Klints Bilder anzuschauen. Noch nie wurden soviel Kataloge einer Austellung verkauft, noch nie gab es soviele neue Mitglieder für das Guggenheim Museum. Es gibt ein sehr schönes Video des Guggeheim über diese Ausstellung.

Stimmen zu dieser Ausstellung: "Wenn Sie gerne halluzinieren, aber die erforderlichen Stimulanzien nicht mögen, dann verbringen Sie einfach einige Zeit in der atemberaubenden Ausstellung des Guggenheim-Museums." -Die New York Times

"Diese Bilder sind eine Offenbarung und mit nichts zu vergleichen, was vor ihnen kam." - The Economist

Es gibt noch eine andere Austellung mit ihrer Beteiligung, die ich unglaublich spannend finde. Und zwar Weltempfänger im Lenbachhaus in München vom 6. November 2018 bis 10. März 2019. Kuratiert von Karin Althaus und Sebastian Schneider. Schon allein den Titel finde ich umwerfend gut. Aber was das für eine Ausstellung war!!! Ich zitiere hier von der Website des Museums: “Die Ausstellung "Weltempfänger" gibt Einblick in ein außergewöhnliches und weitgehend unbekanntes Kapitel der Moderne: Völlig unabhängig voneinander entwickelten Georgiana Houghton (1814–1884) in England, Hilma af Klint (1862–1944) in Schweden und Emma Kunz (1892–1963) in der Schweiz eine jeweils eigene abstrakte, mit Bedeutung hoch aufgeladene Bildsprache. Alle drei wollten in ihren Arbeiten Naturgesetze, Geistiges und Übersinnliches sichtbar machen; mit Ausdauer und Durchsetzungsvermögen folgten sie ihren Überzeugungen…..Als "Weltempfänger" konnten die Künstlerinnen die Schöpfung der Bilder einer externen Quelle zuschreiben. Dies gab ihnen die Freiheit, in ihrem Schaffen soziale, kulturelle und ästhetische Grenzen zu überwinden sowie die notwendige Energie, dies auch tatsächlich zu tun.”

Schon mal gehört von diesen Frauen? Ich bis dahin jedenfalls nicht.

Hilma af Klint Aus der Serie “Die Taube”

Hilma af Klint Aus der Serie “Die Taube”



In der Arte/ NDR Produktion -Ihrer Zeit voraus, Hilma af Klint- aus dem Jahr 2019 von Julia Berkert sieht man relativ am Anfang ihren Großneffen Johan af Klint. Er erzählt rührend davon, wie er und sein Vater 1967 oder 68 ihre Bilder ausgepackt haben. Auch sonst eine sehenswerte Dokumentation.

Und noch etwas zu Hilma af Klints Hellsichtigkeit: 1932 malte sie die Gemälde: Blitz über London und Krieg im Mittelmeer. Also 7 Jahre bevor der Zweite Weltkrieg begann und das alles stattfand.

Die Austellung Hilma af Klint, Artist, Researcher, Medium war in Malmö bis Mitte April 2021 zu sehen. Man kann noch immer einen Eindruck dieser Ausstellung bekommen in verschiedenen Videos.

Vom 5. Dezember 2020 bis zum 2. Mai 2021 fand im Musée d’Orsay in Paris die Ausstellung The Origins of the World. The Invention of Nature in the 19th Century statt.
Hilma af Klint war hier mit zwei Gemälden vertreten.

Das norwegische Architekturbüro Snøhetta baut derzeit ein Ausstellungszentrum für Klint südlich von Stockholm in der Stadt Järna.

Aktuell kann man im Centre Pompidou in Paris in der Austellung Elles font l'abstraction über Malerinnen der Abstraktion bis zum 23. August 2021 Werke von Hilma af Klint sehen. Danach geht die Ausstellung -Frauen der Abstraktion- ins Guggenheim Museum in Bilbao, Spanien und ist dort vom 22. Oktober 2021 bis 27. Februar 2022 zu sehen.

Hilma af Klint Die 10 Größten Erwachsenenalter 1907

Hilma af Klint Die 10 Größten Erwachsenenalter 1907


Hier ist noch ein Werk von den 10 Größten von 1907. Erwachsen-sein. Stellt euch vor dieses Bild ist 3 x 2,50 Meter.

Irgendwann werde ich auch etwas über Hilma af Klints Symbolik ausführen. Zum Beispiel das: Die Mandelform, die entsteht, wenn sich zwei Kreise überlappen, wird als Vesica piscis bezeichnet und ist ein altes Symbol für die Entwicklung zur Einheit und Vollendung.

Und wie siehts bei euch aus mit den Geistern und dem Universum? Habt ihr Erlebnisse, in denen euch das Universum mal so ganz unverhofft unter die Arme gegriffen hat?

Hier erzähle ich euch eine meiner liebsten Universumgeschichten. Sie hat jetzt nicht viel mit Geistigkeit zu tun, aber vielleicht mit Geistern, die mal kurz was umorganisiert haben.

Mein Sohn hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt auf der Schauspielschule. Von ziemlich weit her war ich voller Glück angereist. Und wartete in seiner kleinen und sehr leeren Wohnung unterm Dach, als er bei den Endproben für den großen Abend war. Ich war auch ein wenig traurig, weil ich ihm kein Premierengeschenk machen konnte. Ich hätte ihm so gern einen Tisch gechenkt für sein Domizil. Er liebte große Holztische. Aber erstens kannte ich mich an diesem Ort überhaupt nicht aus, zweitenss hatte ich kein Auto und drittens blieben nur ein paar wenige Stunden, um das zu organisieren. Also schien es ein Ding der Unmöglichkeit. Etwas betrübt sah ich den flirrenden Staubteilchen im Sonnenlicht nach, fast fielen mir die Augen zu, trotz aller Vorfreude und Glück.

Von einem sehr seltsamen Geräusch schreckte ich hoch. Zuerst hörte ich ein Ächzen, dann ein Rumpeln, ein Stöhnen, ein Jaulen. Ein Poltergeist. Ich wunderte mich, denn soviel ich wusste, wohnte mein Sohn allein auf der Etage.

Bald dachte ich, dass da jemand Hilfe bräuchte. Ich stürzte also aus der Tür und schaute ins Treppenhaus. Nur ein paar Stufen unter mir stand da schräg die Treppe herunter ein wunderschöner ziemlich großer Holztisch. Dahinter steckte eine Frau ihren roten Kopf hervor und sagte schnaubend: Der Mieter ist längst von einem Tag auf den anderen verschwunden und hat alle Möbel dagelassen, die ich jetzt loswerden muss.

Schnell fragte ich sie, ob ich diesen schönen Tisch haben könnte. Sie war erleichtert. Und mit ein bißchen Anstrengung war der Tisch drinnen. Das Staunen meines Sohnes über dieses Premierengeschenk vergess ich nie. Und das wunderbare Wundergefühl.

Und was habt ihr so erlebt?

Das nächste Kapitel wird eine Ankündigung sein, was euch in den kommenden Wochen erwartet.











































Petruschkis Fahrt Ins Blaue - Kapitel 10 - Die nächsten Neun

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Petruschkis Fahrt ins Blaue - Kapitel 8 - Wie Hans Hartung Licht und Bewegung auf die Leinwand verführt

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